Hermann Lefeldt / Methodik I / Einleitung / Seite 10

zu erkennen, daß die Kausalität nicht in dem strengen Sinn besteht, wie man es in der klassischen Physik noch annahm. Man denke da an die Heisenbergsche Unschärfebeziehung, auch Ungenauigkeitsrelation genannt. Um Kausalität und Finalität einem Vergleich unterziehen zu können, sei zunächst ein Beispiel für einen kausalen Zusammenhang gebracht.

In unzähligen Werkstätten auf der Erde wird das autogene Schneid‑ und Schweißverfahren angewandt. Beim gemeinsamen Ausströmen aus einer Spitze entzünden sich Wasserstoff und Sauerstoff, ergeben dabei einen Feuerstrahl von großer Hitze und verbinden sich chemisch zu Wasser, H20. Bei gleichen Voraussetzungen, also gleicher Ursache, ergibt sich immer die gleiche Wirkung. Weil nun ein solches Band von Ursache und Wirkung zwischen Sternenlauf und menschlichem Schicksal nicht, oder wenigstens nicht unmittelbar wahrgenommen werden kann, zieht man voreiligerweise daraus den Schluß, daß die Astrologie notwendigerweise Unsinn und Aberglauben sein muß, Das dürfte das wichtigste Argument sein, welches die Wissenschaftler glauben gegen die Astrologie ins Feld führen zu können.

Nehmen wir nun ein Beispiel aus einem finalen Zusammenhang. Finalität bedeutet soviel wie Zweckzusammenhang, das Verhältnis des Mittels zum Zweck, das Zuletztsein, die Schließlichkeit, die Zweckbestimmung, der Zweckbegriff. Heißt es bei der Kausalität: wie die Ursache, so die Wirkung, so heißt es in der Finalität: bei gleichem Grund sind die Folgen vergleichbar oder analog.

Wenn in einem Elektrizitätswerk Strom erzeugt wird, so muß daraus nicht notwendigerweise folgen, daß in meinem Zimmer eine Lampe leuchtet. Das geschieht erst nach dem Druck auf den Schalterknopf. Mit dem Druck auf den Schalterknopf beginnt aber gleichzeitig das Rädchen im Zähler seine Umdrehung und mißt den verbrauchten Strom. In diesem Fall sind Lampe und Zähler parallel geschaltet. Auf die Astrologie angewandt heißt das, daß Sterne und menschliches Schicksal „parallel“ laufen, weil sie beide aus dem göttlichen Schöpfungsurgrund kommen. Kein Mensch wird behaupten, daß das im Zähler sich drehende Rädchen die Lampe zum Leuchten bringt, es mißt nur den verbrauchten Strom. Kein Astrologe behauptet, daß die Sterne das Schicksal erzeugen, wohl aber kann man an ihnen den verbrauchten Lebensstrom messen, und noch einige Dinge mehr. In diesem Vergleich ist das Elektrizitätswerk das Mittel, der Zweck aber die in den elektrischen Geräten liegende Bequemlichkeit für den Menschen. Der Zweck der Astrologie ist die Selbsterkenntnis des Menschen, das Mittel dazu das Horoskop. Der Grund liegt im Elektrizitätswerk, die Folgen in der Anwendung der verschiedenen elektrischen Geräte. Der Grund liegt in der göttlichen Schöpfung, die Folgen sind da lauf der Sterne am Himmel und hier auf der Erde die verschiedenen Schicksale. Folgen aber lassen sich vergleichen, sind analog.

Das Gegensätzliche in Kausalität und Finalität mag noch einmal scharf herausgestellt werden an einem Erlebnis des bekannten Afrikaforschers Leo Frobenius mit afrikanischen Pygmäen. Da die Expedition Mangel an Nahrungsmitteln hatte, bat er den Pygmäenhäuptling für Fleisch zu sorgen. Die Pygmäen zeichneten eine Antilope in den Sand unter allerlei Beschwörungen. Dann verschwanden sie und kamen bald darauf mit einer erlegten Antilope zurück. Der tödliche Pfeil hatte das Tier dort getroffen, wo auch bei der Beschwörung der Pfeil in dem Sandbild stak. Hier ist für den im naturwissenschaftlichen Denken aufgewachsenen Menschen keinerlei Zusammenhang, weil er ihn nicht mehr zu sehen vermag. Daß aber der Zusammenhang trotzdem vorhanden ist, darüber gibt es unter Einsichtigen keinen Zweifel. Für den magischen Menschen und sein Bewußtsein sind das Selbstverständlichkeiten. Genau umgekehrt würden die Dinge liegen, wenn der magische Mensch neben einem modernen Geschütz stünde und dem Ballistiker zusehen würde, wie er an Hand einer Karte für den Einschlag des Geschosses dessen Bahn berechnen würde aus Kaliber, Rohrlänge, Geschoßgewicht, Pulver ...

 

 

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