Hermann Lefeldt / Methodik I / Einleitung / Seite 19

jetzt gültigen Welthoroskops erscheint der Löwe, ein biologisches Zeichen. Das bedeutet für unser Zeitalter den Beginn einer Entwicklung, in der mit aller Leidenschaft nach der Kenntnis des biologischen Zusammenhangs unseres Lebens gestrebt wird. Es ist das sehnsüchtige Verlangen unserer Zeit. Als schon erkennbaren Erfolg dieses Strebens, welches unserer Zeit ja bestimmt ist, verbuchen wir ein längeres Leben.

Da ist noch ein anderer Einwand von der Seite derjenigen, die sich mit aller Gewalt an ihren vermeintlichen freien Willen klammern. Sie sagen, es sei niederdrückend zu wissen, daß wir nur sogenannte Marionetten wären. Antwort darauf: Keine Religion ist höher als die Wahrheit. Mit Wünschen, Hoffnungen und Meinungen ändere ich nicht philosophische Tatsachen. Mir ist ein Leben in Wahrheit und Klarheit lieber als ein Leben in einer eingebildeten Welt. Die Erkenntnis, daß wir in gewissem Sinne Marionetten sind, ändert nichts an unserem Leben, denn restlose Unfreiheit ist bei genauerem Zusehen gleichbedeutend mit völliger Freiheit. Unsere sogenannte Tatkraft reicht ja nur bis an die Mauer des „Gefängnisses", der Unfreiheit des Willens. Es sei aber hier auch philosophisch die Erklärung für die eigenartige Tatsache gegeben, daß wir metaphysisch unfrei, psychologisch aber frei sind. Würde diese Menschenwelt so geordnet sein, daß wir alle in jedem Augenblick, bei jeder Handlung, bei jedem Gedanken in dem Bewußtsein leben würden, nur eine Marionette zu sein, wir würden ewig Sklaven bleiben. Eine Erziehung zur Verantwortung wäre niemals möglich und so auch nicht zur Freiheit. Nun hat aber die göttliche Schöpfungskraft auf der einen Seite uns jede Freiheit genommen, wegen der Unreife des Menschen, auf der anderen Seite aber in die Psyche dieses Lebewesens Mensch den Glauben gesenkt, daß seine Gedanken und Handlungen aus ihm selber kämen, mit anderen Worten, ihm die psychologische Freiheit gegeben. Bei dem Streit um die Freiheit oder Unfreiheit des Willens wird diese Tatsache übersehen. Nach göttlichem Willen ist das eben der der Menschheit vorgeschriebene Erziehungsweg, daran ändern wir nichts. Goethe: „ … bist alsobald und fort und fort gediehen nach dem Gesetz, wonach du angetreten."

Wenn der Nachweis erbracht wird, daß das Schicksal unentrinnbar ist, so ist das eine Erkenntnis auf der geistigen Ebene. Nehme ich nun als Mensch dazu Stellung, so wird diese Stellungnahme von der Seele aus bezogen. Jetzt erst kommt die Frage nach Fatalismus und Schicksalsglaube. Hier geht es um ein seelisches Vonvornherein. Die meisten Menschen haben nur deswegen Angst vor der Unentrinnbarkeit des Schicksals, weil sie in diesem Falle sich nur hin fatalistischen Gedankengängen zu bewegen vermögen. Der Fatalist sieht das Schicksal als eine von außen kommende, fremde, beziehungslose Notwendigkeit abrollen und hat Angst vor dem, was kommen könnte. Der Schicksalsgläubige weiß, daß das Schicksal in ihm liegt, in seiner eigenen Seele, und darum lebt er in seinem Schicksal wie in seinem eigenen Hause. Es kann ihm nichts passieren, was nicht zu ihm gehört. Daher das Wort: In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne. Ein Satz, der durch eine richtig gehandhabte Astrologie in seiner Wahrheit bestätigt wird.

Vergleichen wir nun noch einmal die kosmische Suggestion der Stierzeit mit der jetzt begonnenen Zeit des Wassermanns. Wir werden bei diesem Vergleich sehen, daß Alfred Witte der Astrologie das dieser Zeit entsprechende neue Gewand geschenkt hat. Wie schon dargelegt, erlebte die Astrologie im Zeitalter des Stiers ihre letzte große Hochzeit. Es muß also das Wesenhafte der Kultur des Stiers auch an dem Kleide der uns überkommenen Astrologie nachweisbar sein, zugleich aber auch aus dem Wesen des Wassermanns die Übereinstimmung mit den Lehren Alfred Wittes sich erweisen lassen.

Das große Himmelskreuz, welches durch Stier, Skorpion, Löwe und Wassermann gebildet wird, setzt sich also aus je einem Erdzeichen (Stier), Wasserzeichen (Skorpion), Feuerzeichen ...

  

2*

19