| Zur Suche nach neuen Objekten in Vergangenheit und Gegenwart Von Michael Feist, Hamburg Der erste mathematisch gefundene Planet Im Juli 1841 begann der britische Mathematiker John Couch Adams (1819-1892), mit der Untersuchung der bis dahin bekannten Fehler bei der Berechnung der Uranus-Bahn. Adams vermutete einen Planeten jenseits des Uranus. Im Jahr 1845 veröffentlichte er zwei mögliche Lösungen des Uranus-Problems. Unabhängig davon, beschäftigte sich ab Juni 1845 der französische Astronom Urbain Jean Joseph Le Verrier (1811-1877) mit dem gleichen Thema und endete bereits ein Jahr später mit dem gleichen Ergebnis, dass es einen bisher unbekannten Planeten jenseits des Uranus geben müsse. Zur Auffindung des Planeten wandte sich Le Verrier an das derzeit moderne königliche Observatorium in Berlin, wo in den Abendstunden des 23. September 1846 der Planet Neptun von Johann Gottfried Galle (1812-1910) - innerhalb kurzer Zeit - an der errechneten Position mit einem Grad Abweichung gefunden wurde. Neptun ist damit der erste auf mathematischem Weg gefundene Planet. Bereits eine Woche nach der Entdeckung des Neptun erklärte Le Verrier, dass es noch einen weiteren Planeten geben müsse. Weitere 10 Tage später wurde der Neptun-Mond Triton gefunden, welches eine bessere Bestimmung der Masse Neptuns ermöglichte. Jedoch, die Auffindung des Neptun erklärte nicht alle Fehler der Uranus-Bahn, ein Indiz für das Vorhandensein eines weiteren unbekannten Planeten. Ferner stellte sich heraus, dass weder Le Verriers, noch Adams vorhergesagte Neptun-Bahn mit der Realität übereinstimmte. Die Suche nach Trans-Neptun Es folgten Jahre, in denen mit mathematischen, grafischen und optischen Untersuchungsmethoden der Trans-Neptun prognostiziert bzw. vermutet wurde. Einige Stationen der Suche nach Trans-Neptun seien hier herausgestellt. Der Amerikaner James Ferguson wurde 1850 mit der Beobachtung des Planetoiden Hygiea beauftragt. Mit einem Drahtmikrometer vermaß er die Position Hygiea. Hierzu benötigte er einige Bezugssterne, wovon einer den schlichten Namen "K" besaß. Im Januar 1851 veröffentlichte Ferguson seine Untersuchung im Astronomical Journal. John Russel Hind las diesen Artikel und stellte fest, dass es den von Ferguson beschriebenen Bezugsstern "K" an der bezeichneten Stelle gar nicht gab. Hatte Ferguson den vermuteten Trans-Neptun versehentlich als Bezugsstern gewählt? Einige Jahre wurde tatsächlich daran geglaubt, dass es sich hier um den vermuteten Trans-Neptun handeln müsse. Fast 30 Jahre später jedoch, im Jahr 1879, wies der Astronom C.H.F.Peters nach, dass Ferguson offensichtlich mit seinem Instrument fehlerhaft gearbeitet hatte, und "K" wurde als Stern 36613 identifiziert. Mit Hilfe einer grafischen Methode unternahm im Jahr 1877 David Todd den wohl ersten seriösen Versuch zur Auffindung des Trans-Neptun. Sein Ergebnis lautete, dass der Trans-Neptun vermutlich eine Umlaufzeit von 375 Jahren, bei einem mittleren Sonnenabstand von 52 AE, haben würde. ( 1 ) Es folgten weitere Variationen der Trans-Neptun-Berechnung durch andere Astronomen, wobei die angesprochene mittlere Sonnenentfernung des vermuteten Objekts in der Regel zwischen 40 AE und 70 AE lag. Ein Professor Forbes ging sogar weiter, denn er nahm gleich zwei Trans-Neptuner an, einen bei 100 AE und einen bei 300 AE. Auch andere Astronomen prognostizierten gleich mehrere Trans-Neptuner: Hans-Emil Lau vermutete zwei bei 46,6 AE und 70,7 AE. Thomas Jefferson Jackson See vermutete gleich drei im Bereich zwischen 41,25 bis 72 AE. Einen Rekord stellte William H. Pickering (1858-1938) auf, welcher letztendlich sogar neun unterschiedliche Trans-Neptuner bis 1932 berechnete. Der deutsche Astronom Dr. Theodor Grigull veröffentlichte 1902 seinen Vorschlag eines möglichen Trans-Neptuners, welchen er "Hades" nannte, und der sich bei 50 AE mit einem Umlauf von 360 Jahren bewegen würde. 1921 revidierte Grigull die Umlaufzeit des "Hades" auf 310-330 Jahre. ( 2 ) Der amerikanische Mathematiker und Hobby-Astronom Percival Lowell (1855-1916) berechnete 1905 zunächst die mögliche Position Trans-Neptuns und suchte anschließend, mit Hilfe der Fotografie, das vermutete Himmelsgebiet ab. Lowell unterbrach 1909 seine erfolglose Suche, um seine Berechnungen zu überarbeiten. 1913 begann er mit einer weiteren Suchaktion, welche bis 1915 erfolglos andauerte. Enttäuscht publizierte Lowell 1915 seine Erkenntnisse, nicht wissend, dass er den Pluto 1915 zweimal fotografiert hatte. Als am 18. Februar 1930, um 16 Uhr, Clyde W. Tombaugh (1906-1997) beim Lowell Observatory den gesuchten Trans-Neptun auf seinen im Januar erstellten Fotoplatten fand, stellte sich heraus, dass sowohl Percival Lowell als auch William H. Pickering den Pluto mit einer Genauigkeit von 6 Grad prognostiziert hatten. Beide Varianten der Berechnung waren jedoch keine zutreffende Beschreibung der tatsächlichen Pluto-Bahn. Die Transneptuner der Astrologen Witte und Sieggrün Im Jahr 1919 begann der Hamburger Diplom-Astrologe der Astrologischen Zentralstelle und Land-Vermesser Alfred Witte (1878-1941) mit Veröffentlichungen seiner innovativen Untersuchungs-Techniken in den Astrologischen Blättern und der Astrologischen Rundschau. ( 3 ) Im gleichem Jahr gab er sein erstes Referat im Hamburger Kepler-Zirkel, welcher in den folgenden Jahren zur Wiege der Witteschen Technik wurde. Heute ist Wittes Technik bekannt unter dem Namen Hamburger Schule, sowie im englischen Sprachraum als Uranian System bzw. Uranian Astrology. ( 4 ) Im Juli 1923 veröffentlichte Alfred Witte unter dem Titel "Der erste Transneptunplanet Cupido" seine ersten Hinweise zu seinen Trans-Neptun-Berechnungen. Witte berechnete mittels einer grafischen Methode die Sonnenentfernung und Umlaufzeit des Cupido. Die Korrektur und Positionsbestimmung des Planeten dagegen führte Witte mit Hilfe astrologischer Techniken durch. Im gleichen Artikel kündigte Alfred Witte zwei weitere Objekte K. und D. an. Zunächst sollte K. den Namen "Kronos" erhalten, jedoch entschied sich Witte für den geeigneteren Namen Hades, D. dagegen stand zunächst für "Deus" und wurde später in Zeus umbenannt. Kronos, Wittes vierter und letzter Transneptuner, wurde 1924 von ihm bekannt gegeben. Die Veröffentlichungen Alfred Wittes von 1919-1924 machten nicht zuletzt wegen seiner Transneptuner von sich reden. Die Technik Wittes benötigte eine geeignete Plattform, daher löste sich auf Initiative Friedrich Sieggrüns (1877-1951) der Kepler-Zirkel kurzerhand auf, damit am 31. Oktober 1925 der Astrologen-Verein "Hamburger Schule" von Friedrich Sieggrün, Alfred Witte, sowie dem Diplomierten Astrologen der Astrologischen Zentralstelle und u.a. durch Wetterprognosen bekannt gewordene Ludwig Rudolph (1893-1982) gegründet werden konnte. ( 5 ) Der Vorsitzende des Astrologen-Vereins "Hamburger Schule" und Nautiker Friedrich Sieggrün berechnete in den Folgejahren bis 1934 weitere Transneptuner: Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon. Die Ephemeriden der Transneptuner Sieggrüns wurden veröffentlicht und es wurde auch mit ihnen in der Hamburger Schule gearbeitet, jedoch sollte es noch 10 Jahre dauern, bis auf Initiative Ludwig Rudolphs die Objekte Sieggrüns "offiziell" ins ständige Repertoire der Hamburger Schule übernommen wurden. Der Grund für diese Verzögerung war, dass die Transneptuner Sieggrüns von Alfred Witte abgelehnt wurden. Was sind die "Hamburger" Transneptuner? 1957 beschäftigte sich Ludwig Rudolph in der Zeitschrift Zenit mit der 1850er Beobachtung der Bewegung des Bezugsterns "K" durch James Ferguson. Ludwig Rudolph verglich zunächst "K" mit der Bewegung des Hades, welcher sich in einem 2 Grad Abstand befand. Der Hades, welcher auch von Alfred Witte zunächst mit K. bezeichnet wurde, war jedoch zu schnell, was auf einen entfernteren Planeten schließen ließ. Daher prüfte Rudolph die Bewegung des Apollon, welcher sich zu "K" in Opposition befand. Der geringe oppositionelle Abstand im Minutenbereich veranlasste Rudolph zu der Frage "... sah man Sieggrüns Apollon?". Dieses würde einen 180 Grad-Fehler des Apollon bedeuten, welcher in der Symmetrischen Astrologie - mit Ausnahme der Häuserdeutungen - bekanntlich akzeptabel wäre. Andererseits, wenn wir mal von der nachgewiesenen Fehlerhaftigkeit der Beobachtungen Fergusons absehen, wies Ludwig Rudolph darauf hin, dass Apollon in dieser Zeit rückläufig wurde, und tatsächlich wurde der Apollon genau innerhalb des betreffenden Zeitraumes rückläufig, während "K" rechtläufig blieb. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Breite von "K" bei +1°23 beobachtet wurde, wogegen die Breite Apollons bei Null lag. Beide Objekte sind daher nicht identisch. Mit zunehmenden Erfolgen der Astronomie erhofften die "Hamburger" Astrologen weiterhin die astronomische Sichtung ihrer Transneptuner, welche jedoch ausblieb. Es mehrten sich die Stimmen, dass die Transneptuner möglicherweise keine Planeten seien, sondern aus Kombinationen geozentrischer Planetenperioden bekannter Himmelskörper resultieren. Ende der 70er Jahre beschäftigte sich der Amerikaner James Neely mit dieser Frage und kam zum Schluss, dass sowohl Wittes als auch Sieggrüns Transneptun-Ephemeriden den Charakter von eigenständigen Planeten darstellen und keine Kombinationen bekannter Körper sein können. Die Frage, ob die Transneptuner reale physikalische Objekte sind, war jedoch nicht Gegenstand der Analysen, worauf James Neely ausdrücklich hinwies. Um die Immerwährenden Ephemeriden der Transneptuner nachvollziehen zu können, analysierte James Neely zunächst die von Witte berechnete immerwährende Uranus-Ephemeride. Anschließend wandte er die gewonnenen Erkenntnisse auf die Analyse der Transneptuner-Ephemeriden an und leitete danach Orbital-Elemente ab, aus welchen sich Unterschiede zu den Ursprungs-Ephemeriden von bis zu 2°06 Bogenminuten ergaben. Diese Unterschiede resultieren zum einen aus der Natur der Immerwährenden Ephemeriden, zum anderen sind sie der Analyse selbst zuzuschreiben. ( 6 ) Ferner ergaben die Analysen James Neelys, dass die Ephemeriden Friedrich Sieggrüns nicht so umfassend und gut ausgearbeitet waren, wie die Daten von Alfred Witte. Die von Sieggrün angegebenen Umlaufzeiten seiner Transneptuner waren nicht in Einklang mit dem veröffentlichten Ephemeriden-Material zu bringen. Zum Beispiel gab Sieggrün für Apollon eine Umlaufzeit von 576 Jahren an, seine Ephemeride dagegen wies auf eine Umlaufzeit von 589.42 Jahren hin. Gezwungenermaßen verwarf Neely die von Sieggrün angegebenen Umlaufzeiten zugunsten der aus der Ephemeride resultierenden Umlaufzeiten. Des weiteren wies Neely einen Berechnungsfehler in der Original-Ephemeride des Admetos für 1974 und die Folgejahre nach. Die unterschiedlichen Ephemeriden Die Immerwährenden Ephemeriden Wittes und Sieggrüns ermöglichen die Berechnung der Positionen für alle Zeiten. Angegeben waren hier die Sonnen-Konjunktionen der Transneptuner, aus denen jeder Astrologe die jeweilige Position zu einem gewünschten Zeitpunkt berechnen konnte. Eine, im Vergleich zu herkömmlichen Ephemeriden, umständliche Prozedur. Die ersten Ephemeriden üblicher Art verdanken wir Wittes persönlichem Schüler Wilhelm Beckmann (1892-1956) ( 7 ), Alfred Richter und insbesondere dem Engländer Edward Arthur Stone (1878-1965), welcher die Ephemeriden für die Jahre 1928 bis 1970 berechnete. Darauf aufbauend folgte 1972 die Transneptun-Ephemeride 1890-1990 von Ruth Brummund (*1921), welche 1976 erweitert und 1978 berichtigt wurde. Im Jahr 1978 erschien auch die erste computerberechnete Uranian Transneptune Ephemeris 1850-2000 von Neil F. Michelsen, grüner Einband, welche ebenfalls auf den Immerwährenden Ephemeriden basierte. Beide Ephemeriden zeigen bereits zueinander unterschiedliche Stände bis zu 7 Bogenminuten Abweichung. ( 8 ) 1989 veröffentlichte Neil F. Michelsen (1931-1990), eine überarbeitete und erweiterte Fassung der Uranian Transneptune Ephemeris 1850-2050, blauer Einband, welche erstmalig die Analysen von James Neely in gedruckter Form berücksichtigte. Mit Hilfe der neuen Orbital-Elemente sind Abweichungen bis zu 23 Bogenminuten der zuvor genannten Ephemeriden feststellbar. ( 9 ) Die nun vorliegenden Sonderausgaben der Hamburger Hefte TNP-Ephemeride 1900-2000 und TNP-Ephemeride 2000-2100 berücksichtigen ebenfalls die Orbital-Elemente James Neelys, welche sich inzwischen als Standard etablieren konnten. Die Positionsangaben eines Jahres werden in dieser Mitternachts-Ephemeride in 5-Tagesschritten, jeweils beginnend mit dem 1. Januar des Jahres, wiedergegeben. Die Positionen eines Jahres sind vollständig aus einer Seite der Ephemeride ableitbar. Für diesen Zweck wurde, bei Bedarf, ein Tag des darauf folgenden Jahres mit angegeben. Vermutete, gesichtete Trans-Neptuner und Plutinos Zur Zeit sind den Astronomen die Bahnelemente von rund 300 Trans-Neptunischen Objekten (TNO) bis 49 Astronomische Einheiten bekannt, wovon mehr als 60 einen Durchmesser über 100km besitzen. Die amerikanischen Astronomen Jane X. Luu und David C. Jewitt berechneten, dass es 70.000 solcher Objekte, größer als 100km, zwischen 30-50AE geben könnte. Einen Teil der TNOs (39-40AE) bezeichnet man als Plutinos (kleine Plutos), weil sie sich wie Pluto in einem ähnlichen Bewegungsverhältnis 2:3 zum Neptun verhalten. Die Zeit von drei Umläufen des Neptun repräsentiert demnach zwei Umläufe des Plutos bzw. Plutinos. Ungefähr 35 Prozent der bisher bekannten TNOs haben diese Eigenschaften, woraus David Jewitt die Zahl von 25.000 möglichen Plutinos mit einem Durchmesser über 100km ableitete. In Hinblick auf die große Zahl bekannter und vermuteter TNOs stellt sich die Frage, was sich aus der gegenwärtigen Suche nach weiteren TNOs im Zusammenhang mit den astrologisch gefundenen Transneptunern ergibt. Cupido, der erste Transneptuner Wittes, fällt mit 40.99837AE in den angesprochenen Bereich der bisher bekannten TNOs, und auch Hades könnte mit 50.66744 AE noch hierzu gezählt werden. Trotz der hohen Zahl vermuteter TNOs ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass jemals ein TNO mit identischen Bahnverläufen von Cupido oder Hades gefunden wird. Ein Grund liegt u.a. darin, dass die verwendeten Bahnverläufe der Transneptuner keine Störungen zueinander, sowie zu den bekannten Planeten, berücksichtigen. D.h. die Transneptuner des Witte-Sieggrün-Komplexes verhalten sich so, als ob jeder für sich als einziger Planet die Sonne umkreisen würde. Das bedeutet: wenn die Berechnungen von Alfred Witte und Friedrich Sieggrün tatsächlich auf planetare Objekte hinweisen und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (1923-1934) exakt waren, dann müssen wir mit zunehmender zeitlicher Entfernung vom veröffentlichten Zeitpunkt von zunehmenden Fehlern der uns heute bekannten Ephemeriden ausgehen. Diese Fehler können sich inzwischen zu astrologisch relevanten Abweichungen aufaddiert haben. Es gilt folgendes festzustellen: Die astrologisch gefundenen Transneptuner haben sich in ihrer 75-jährigen Geschichte unzählige Male astrologisch bestätigt. Solange befriedigende Resultate mit den uns bekannten Ephemeriden erzielt werden, können wir die Transneptuner verwenden. Für Astrologen stehen zutreffende Analysen im Vordergrund, nicht die reale Existenz der astrologisch berechneten Transneptuner. Jedoch ist die Existenz unserer Transneptuner als Planeten bis zu ihrer Sichtung als hypothetisch zu bezeichnen, wie auch deren Bahnverläufe als hypothetisch anzusehen sind. Für jede Hypothese gilt, dass sie durch Fakten untermauert wird, und sie ist gültig, bis der Gegenbeweis erbracht wurde. Für uns Astrologen bedeutet dieses, dass in Zukunft, wie auch in der Vergangenheit, die Wirkungen der Transneptuner stets erneut nachgewiesen werden müssen. In Zukunft, damit die gegenwärtigen Ephemeriden sich als zutreffend bestätigen. In Vergangenheit, damit die vergangenen Resultate astrologischer Analysen auf Basis dieser Ephemeriden als zutreffend untermauert werden. Dabei sollte uns bewusst sein, dass dem astrologischen Nachweis auf Grund der Natur des mehrdeutigen symbolisch-analogen Deutungsprinzips und der jeweiligen Arbeitstechnik Grenzen gesetzt sind. Wie wichtig Belege für eine Hypothese sind, zeigte Alfred Witte mit der Bitte um Mithilfe bei der Kontrolle seiner Berechnungen: Ich bin auf die Mitarbeit vieler Astrologen angewiesen, um die berechneten Planeten-Orte kontrollieren und hauptsächlich feststellen zu können, ob die richtige Exzentrizität richtig eingesetzt ist. ( 10 ) Ludwig Rudolph stellte später fest: Wittes Aufruf zur Mitarbeit der Astrologen an der Kontrolle seiner Ephemeriden hat kaum Erfolg gehabt. ( 11 ) Für Ludwig Rudolph, überzeugter Förderer der Astrologie Alfred Wittes und Anwender der Transneptuner, war der wiederholte Nachweis der Hypothesen Wittes und Sieggrüns ein wichtiges Anliegen: [Die] Meinung, die Transneptuner seien vorsichtig und nicht vorwiegend (als Allheilmittel) in der Deutung einzusetzen, kann ich nur unterstreichen. [...] Man darf daraus, dass wir in unseren Arbeiten häufiger Gleichungen mit Transneptunern herausstellen, nicht den falschen Schluss ziehen, dass sie von uns bevorzugt und überbewertet werden, sondern wir zeigen vor allen Dingen, wie ihre Wirkung in besonderen Fällen augenscheinlich wird und wiederholt nachweisbar [ist]. ( 12 ) Ferner warnte Ludwig Rudolph davor, in der Anwendung der Transneptuner die vordringlichste Errungenschaft der "Hamburger Schule" zu sehen, denn der mathematisch-symmetrische Arbeitsansatz Alfred Wittes sei der Hauptteil der Technik Wittes: Die Transneptuner sind ein Teil des Forschungsprogramms der von WITTE begründeten so genannten "Hamburger Astrologen Schule", die zur Hauptsache das Horoskop nach Strukturen deutet. Unter Strukturen versteht man viele gleiche Halbsummen, Summen, Differenzen oder auch sensitive Punkte. Diese Strukturen setzen sich zusammen aus vielen einzelnen Planetenbildern. Diese und ihre zeitlichen Auslösungen geben die wirksamen Erlebnisse.- Das muss hier gesagt werden, weil vielfach die irrige Meinung herrscht, "Hamburger-Schule" sei die Arbeit mit Transneptunern; das ist grundfalsch und ein verhängnisvoller Irrtum. ( 13 ) Anwendung von hypothetischen Faktoren Die Freunde der Astrologie Wittes können auf eine lange Tradition in der Anwendung von hypothetischen Planeten zurückblicken, was in dieser Kontinuität als eine Besonderheit herauszustellen ist. Die "Hamburger" stellen andererseits in der Anwendung von hypothetischen Planeten keine Ausnahme dar. In den vergangenen 150 Jahren wurden immer wieder von Astronomen und Astrologen berechnete hypothetische Planeten in der Astrologie berücksichtigt, und viele davon verliefen auch auf Bahnen jenseits des Neptun. Es sei hier z.B. auf den verwendeten hypothetischen Planeten Transpluto hingewiesen. Auch andere hypothetische Objekte werden noch heute vereinzelt von Astrologen angewendet. Es existieren teilweise unterschiedliche Namen für identische Objekte, sowie gleiche Namen für unterschiedliche Objekte. Für unsere Freunde im Ausland möchte ich daher ausdrücklich darauf hinweisen, dass es Ähnlichkeiten in der Bezeichnung der Hamburger Transneptuner mit anderen hypothetischen Faktoren gibt, ohne dass diese mit unseren Transneptunern identisch sind: Apollo ist nicht Sieggrüns Apollon, Vulkan ist nicht Sieggrüns Vulkanus, ferner existieren gleiche Namen für unterschiedliche Objekte bei Cupido, Hades, Zeus und Poseidon. Astronomische Eigenschaften unserer Transneptuner Die Inklinationen für die Transneptuner Cupido und Hades wurden von Alfred Witte veröffentlicht. Für Kronos und Zeus veröffentlichte er keine Inklinationen, deutete allerdings daraufhin, dass eine vorhandene Inklination von Kronos unbedeutend sei. Auch beim Zeus ging Witte anscheinend von einer Bahnneigung aus, ohne einen Wert zu veröffentlichen. Für die Transneptuner Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon gab Friedrich Sieggrün keine Inklinationen an. Alfred Witte veröffentlichte für seine Transneptuner die Exzentrizitäten, sie bewegen sich also in leichten Ellipsen um die Sonne. Da die Exzentrizitäten der Transneptuner Friedrich Sieggrüns dagegen Null sind, bilden Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon Kreise um die Sonne. Aus diesem Grund geben die Werte der Halbachsen der Transneptuner Sieggrüns auch die ständige Sonnenentfernung wieder. Halbachsen der astrologischen Transneptuner, nach James Neely:
*** Veröffentlicht im HH 4/2000 und den *** |