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von Brigitta Klose

 

 
 
 

«Spiritualität und höhere Heilung  
- Esoterische Praxis im Alltag» 
Von Dr.med Rauch, Verlag Haug 1998 

Buchbesprechung aus: "Hamburger Hefte" 3/98 
 

 

 

Dr. med. Erich Rauch: 

Spititualität und höhere Heilung 

- Esoterische Praxis im Alltag 

Haug Verlag 1998 

ISBN 3-7760-1667-1

Dr. med. Rauch ist Verfasser zahlreicher Bücher über Naturheilverfahren und Autosuggestion und hat in diesem Buch seine Erfahrungen aus der über 40jährigen Arbeit mit Patienten, mit Menschen, die nach Heilung suchen, zusammengefaßt. 
Er gibt ihnen Orientierungshilfen, zeigt Lösungen für die Aufgabe des Menschen, sich nach dem ihm innewohnenden Plan zu verwirklichen, und bietet Hilfen an in Form von bewährten Meditationspraktiken. 

Ich bekam das Buch zugeschickt und habe sofort angefangen zu lesen. Es ließ mich nicht mehr los. Hier wird nicht in Wolkenkuckucksheimen elitäre Esoterik gepflegt, sondern ausgegangen vom Menschen, der zunächst einmal sein Alltagsleben be-greifen, d.h. in den Griff bekommen muß. Ohne gute Bewältigung des äußeren Lebens, des exoterischen Weges, ist die Höherentwicklung, der esoterische Weg, nicht möglich. 

„Jeder trägt in sich sein eigenes geistiges Ur-Bild.“ Dieses Urbild gilt es zu verwirklichen. In einer Erzählung von Martin Buber heißt es: Der Rabbi Susia lag auf dem Sterbebett, und auf die Frage, was ihn im Angesicht des Todes bewege, antwortete er: „In der Welt, in die ich jetzt gehe, wird man mich nicht fragen: ‘Weshalb warst du nicht Moses?’ Aber man wird mich fragen: ‘Weshalb warst du nicht Susia?’“ Mit anderen Worten: der Sterbende sorgte sich um die Erfüllung seiner höchsten Aufgabe, sein geistiges Ur-Bild zu finden und zu verwirklichen. 

Der Weg zu sich selbst, zu neuen Ufern, führt zumeist durch Leid und Schmerzen, durch tiefe Täler und persönliche Katastrophen. „Es muß zwar nicht sein, aber es kann der Segen solcher verzweifelter Situationen sein, daß sie so manchen dazu führen, sich aufzubäumen, bis in sein Innerstes, Höchstes ‘hineinzuschreien’ und dahin durchzustoßen, um zu höherer Hilfe zu gelangen.“ Da denken wir Astrologen natürlich sofort an Saturn und seine Rolle in Lebenskrisen, wenn wir die Aufgaben, die er uns im Geburtshoroskop mitgegeben hat, nicht lösten. 

Man muß sich klar für die Höherentwicklung, für den spirituellen Weg entscheiden. Dieser Weg beginnt im Exoterischen. „Der exoterische Aspekt dieser Aufgabe stellt genau den Teilbereich dar, der sich ‘nur’ auf die Beziehungen nach außen hin, zu den Mitmenschen und zum gesamten Alltagsleben, erstreckt. Er verlangt besonders viel vom Suchenden und stellt die Grundlage jedes spirituellen Weges dar.“ 

Eine ganz wesentliche Hilfe auf dem Weg zum Gutsein ist die redlich geleistete tägliche Arbeit. Dabei können die Tätigkeiten uns völlig unbedeutend erscheinen, wenn wir sie gewissenhaft ausführen, sind wir dem Glücklichsein ein Stück näher. „Sie [die gute Arbeit] spendet den Segen treuer Pflichterfüllung, fördert einen heilsamen Schlaf und läßt Kräfte erwachsen, die den Wanderer auf seinem Wege spürbar vorankommen lassen.“ 
Dabei müssen wir lernen, uns selbst zu bejahen, auch mit unseren Fehlern und Schwächen. Um diese zu mindern, sollten wir sie nicht bekämpfen, sondern unsere Stärken hervorheben und verbessern. „Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energisches Fortschreiten im Guten.“ 

Hier Hilfestellung zu geben, ist sicher eine der vornehmsten Aufgaben des Astrologen, der mit der Autorität des Sternenwissens zur Selbsterkenntnis und Annahme des Gegebenen führen kann. 

Die wohl schwierigste Aufgabe ist die Disziplinierung der Gedanken. Denn der Mensch ist so, wie er denkt. Ist man sich der Macht der Gedanken einmal bewußt geworden, wird man lieblose, abwertende Gedankengänge vermeiden und „die Heilkraft des rechten Denkens und Glaubens“ pflegen. 

Ein „Mißlungen“ ist für zuversichtliche Menschen ein „Noch-nicht-gelungen“. Eine halbe Flasche ist für den positiv Denkenden „halb voll“, für den negativ Eingestellten „halb leer“. Der Fakt „halb“ wird in beiden Fällen richtig erkannt, nur unterschiedlich gedeutet, aber mit welcher Auswirkung auf die Gesamtbefindlichkeit! 

Die Wirkung unserer Gedanken auf unsere Umwelt und unsere Mitmenschen ist unbestritten. 
„Denkst du Trübsal, Ärger, Leid, / Steckst du jeden, der dir nah, / An mit deiner Traurigkeit.“ 
Liebevolle aufbauende Gedanken wirken dagegen harmonisierend auf unsere Umgebung. 
Man muß im Inneren auch überzeugt sein von dem Gelingen des eingeschlagenen Weges und von den eigenen Kräften, ihn zu vollenden. Bô Yin Râ bezeichnet diesen dynamischen Glauben als „die hohe Kraft der Imagination, durch die der Mensch in seinem Inneren die Form seines Schicksals gestaltet.“ 

Dabei braucht er einen gesunden vernünftigen Optimismus, keinen „Seifenblasen-Optimismus“. Wir müssen im Horoskop auf Neptun achten, aber auch auf einen unter Umständen zügellosen und allzu schnell begeisterten Jupiter, die in die Pflicht genommen werden müssen. 

Dann können wir vertrauen: „Wie dein Glaube, so sind deine Kräfte! Wenn wir völlig überzeugt an unser spirituelles Ich glauben, dann dürfen wir mit der gleichen Glaubenskraft auch sicher sein, daß uns bei allen unseren Bemühungen am spirituellen Weg ständig hohe göttliche Hilfe beschützt und begleitet.“ 

Nun sind wir trotzdem nicht gefeit gegen negative Tendenzen, seien es sorgen- und kummervolle Gedanken, seien es schlechte Nachrichten, die uns von außen erreichen. Auch die Erinnerungen an begangenes Unrecht, an Fehler und Schwächen, ziehen herab. Hier nennt der Autor ein schönes Wort von Konfuzius: „Woran merkst du, daß eine Sünde dir vergeben ist? Daran, daß du sie nicht mehr tust.“ 

Wir müssen unser Denken auf Gutes richten, auf Dinge, die uns Freude machen, auf Taten, die gelungen sind. „Mit der Umlenkung der Aufmerksamkeit entziehen wir dem Negativen die Beachtung und damit seinen Nährboden.“ 

Die höchste aller spirituellen Kräfte ist die Liebe. Sie sollte in all unser Tun in Gedanken, Worte und Werke einbezogen werden. Ob wir unsere täglichen Pflichten erfüllen, und seien sie auch noch so banal, oder unserem Nächsten helfen. 

Der Weg zur Höherentwicklung und damit zum wahren Glück beginnt im Hier und Jetzt, im täglichen Leben. Schöner als in einem Gedicht von Bô Yin Râ läßt es sich nicht sagen: 
Nimm dein Leben wie es ist! / Denke nicht: „So könnt es sein!“ / Fluche keinem deiner Tage! / Was du tragen mußt, ertrage! / Alles, was dir je begegnet, / Segne, und du wirst gesegnet! 
Die Doppelnatur des Menschen, in ein irdisches und ein himmlisches Ich, bringt es mit sich, daß wir in erster Linie uns mit unseren materiellen Anliegen beschäftigen. Auch die Ratsuchenden, die den Astrologen aufsuchen, wollen in erster Linie wissen, wann die nächste Liebe kommt, ob der Arbeitsplatz sicher und wann die Erbschaft zu erwarten ist. 
Je mehr wir uns in irdische Machenschaften verstricken, umso weniger erfahren wir von unserer eigenen Spiritualität. 

Im dritten Teil seines Buches setzt sich Dr. Rauch detailliert mit den Gefahren der Doppelnatur und den inneren Strukturen des Menschen auseinander und gibt profunden Rat. 
Der letzte Teil ist der Praxis echter esoterischer Wege gewidmet. Hier spricht der Verfasser aus seiner eigenen Praxis und der Arbeit mit Hilfesuchenden und zeigt viele Möglichkeiten für unterschiedliche Befindlichkeiten. 

In seinem Nachwort gibt Dr. Rauch Mut: „Schon jeder einzelne Schritt in die rechte Richtung, und mag er auch noch so klein erscheinen, wird sich eines Tages im Leben des Suchenden als förderlich erweisen.“ 

Ein Wort von Bô Yin Râ, dessen Schriften Dr. Rauch entscheidend beeinflußt haben, möge am Schluß stehen: 
 

„Will dir heute nichts gelingen /Höre auf es zu erzwingen! / Kannst du heute nicht begreifen, / Laß dich ruhig weiter reifen! / Was dir heute noch verborgen, / Wird dir klar - vielleicht schon morgen!“ 

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