(c) 1997-2009 Witte-Verlag
 

von Brigitta Klose

 

 
 
 
«Die Wiederkehr des Saturn» 

Von Stephen Albaugh und Nancy Ehresman,  
Chiron Verlag 

Buchbesprechung aus: "Hamburger Hefte" 2/98 
 

 

 

Stephen Albaugh und Nancy Ehresman 

Die Wiederkehr des Saturn, 

Chiron Verlag, ISBN 3-925100-19-9

Es gibt sicher Leser, die sagen:  „Schon wieder eine Abhandlung über Saturn. 

Eigentlich sollten wir doch alles darüber wissen.“ Eigentlich schon, aber die Beschäftigung mit dem Schicksalsplaneten oder Hüter der Schwelle ist eben eine Lebensaufgabe, und so ist es immer wieder interessant zu hören, was andere mit anderen Einsichten dazu erfahren haben, welche Schlüsse sie daraus ziehen und wie der einzelne in Rück- oder Vorschau das nutzen kann. 

Das Buch befaßt sich nur mit Saturn und seinem Himmelslauf, der auch unsere Zeit strukturiert und sich unangenehm bemerkbar macht, wenn wir etwas zu früh beginnen oder nicht an unserer Entwicklung arbeiten, nicht „mit der Zeit gehen“, etwas „nicht zur rechten Zeit“ tun. 

Beim ersten Durchgang wandert Saturn durch alle Häuser, alle Lebensbereiche, formt die Persönlichkeit und konzentriert die Kräfte. „Der Mensch kann das Innere der Erscheinungen erst nach der Saturnrevolution wirklich begreifen.“ Der Heranwachsende lernt sich von seiner Umwelt zu unterscheiden, seine Bedürfnisse nach Wissen (Merkur), nach Betätigung (Mars) und nach Liebe (Venus) und Glück (Jupiter) kennen, aber die Begrenzung durch die Wirklichkeit, die materiellen Schranken, die Verantwortung erfährt er erst durch Saturn. 

Dieser ist auch die Brücke zwischen inneren und äußeren Planeten, die die Traumbilder und Utopien, die Ideale und Machtvorstellungen prägen. 

„Er hilft bei der Definition der Eindrücke, er sorgt für den Einsatz der Energie und grenzt das Selbst von allem anderen ab.“ S.22 

Erst mit 29 Jahren kann man zu sich selbst finden, seine Grenzen erkennen und seine Stärken und Schwächen richtig einordnen. 

Die Halbzeit, die Saturn-Opposition, ist eine Phase, in der der Jugendliche seine speziellen Bedürfnisse erkennt und auch, daß er selbst für ihre Verwirklichung sorgen muß. Die typischen Verhaltensweisen sind jetzt Aufbegehren, Unmut gegen elterliche Regeln. 

Aber nicht alle reagieren so, einige unterdrücken auch die Notwendigkeit, sich abzusetzen, zu eigenen Zielen zu finden und sie zu verfolgen. Sie passen sich an: dem Elternhaus, der Schule, der Gruppe, was sie nicht davor bewahrt, beim Druck der Saturnwiederkehr auf den Geburtspunkt sich den Problemen stellen und eine eigenständige Persönlichkeit mit eigener Verantwortung entwickeln zu müssen. 

Die Verwandlung und Reifung geschieht sowohl geistig-seelisch wie körperlich. Wenn nur der Geist lernt, bleiben es blutleere Abstraktionen. Der Körper muß ebenso eingebunden sein in den Entwicklungsprozeß und verstehen, um aus den Erfahrungen in der Wirklichkeit Konsequenzen zu ziehen. Es müssen Körper und Geist ineinander greifen, um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu realisieren. 

Meist tritt zu diesem Zeitpunkt auch äußerlich eine Veränderung im Leben ein. Am häufigsten ist es ein Umzug. Es können aber auch Interessen und Neigungen in den Vordergrund treten, die sich in den 20er Jahren melden und bei der Saturnwiederkehr zu neuen Lebenszielen führen. Dabei kann das neue Verhalten durchaus egoistische Züge tragen, denn man setzt sich - vielleicht entgegen sonstiger Art - an die erste Stelle. 

Da treten dann Konflikte der Anpassung an die Oberfläche. Besonders schwierig wird das, wenn ein Teil der Persönlichkeit sich ganz anders verwirklichen möchte, als es die Konvention erlaubt. 
Wenn die Unterschiede zwischen Traum und Wirklichkeit der Persönlichkeitsentfaltung nicht gelöst werden, wenn der Mensch die Diskrepanz zwischen dem, was er sein möchte, und dem, was er ist, nicht erkennt und akzeptiert, sind Bitterkeit, Eifersucht und Neid die nach außen erscheinenden Emotionen und das Zeichen, daß die Lernaufgabe, die Saturn uns stellt, nicht erfüllt wurde. 

Sonne und Saturn sind polare Kräfte. Während die Sonne „den persönlichsten Wert oder die Zwangsvorstellung, die stärkste subjektive Triebkraft“ darstellt und keine Disziplin kennt, ist Saturn der Zuchtmeister, der in die rechten Bahnen lenkt und die Machbarkeit einer Idee überprüft, wenn man ihn läßt. Unabhängig von der Position im Geburtsbild besteht zwischen Sonne und Saturn eine dauernde Spannung, die Spannung zwischen Subjektivität und Objektivität, die wir erkennen und leben müssen. 

„Saturns Hausposition im Geburtsbild kennzeichnet speziell den Bereich der Unsicherheit und des mangelnden Selbstvertrauens.“ S.83 Saturn ist der Herr des Karmas, und in seiner Position zeigt sich, wo die Aufgabe dieses Lebens zu suchen ist, wo Unsicherheit und Schwachstelle zu beheben sind. 

Diese Hauspositionen besprechen die Autoren nun im einzelnen, wobei sie die Themen der Häuser zum Teil etwas eigenwillig formulieren, vielleicht liegt es aber auch an der Übersetzung aus dem Amerikanischen.Das 1.Haus „des überlebenden Selbst“ bringt das Problem des Autoritätskonflikts: wer bestimmt in meinem Leben? Man findet zu sich selbst und muß auch die anderen respektieren lernen.Das 2.Haus „der Sicherheit und des Besitzes“ schärft das Bewußtsein für materielle Dinge, für das, was man hat, und das, was man nicht haben kann. 

Das 3.Haus „der geistigen Entdeckungen“ muß sich bei Anwesenheit von Saturn mit geistigen Minderwertigkeitsgefühlen auseinandersetzen. Die Kommunikation kann durch Saturn eingeschränkt sein. Seine Wiederkehr bewirkt, daß man sich diesem Problem stellt und entweder lernt, mit der Schwäche umzugehen, oder man leidet. Saturns Spannung läßt erst nach, wenn eine befriedigende Lösung gefunden worden ist. 

Das 4.Haus „der persönlichen Empfindsamkeit“ weist auf Empfindlichkeit und Verletzbarkeit hin. Das Zuhause eines solchen Menschen wirkt manchmal wie eine Festung. Der Saturn zwingt zu einer objektiveren Sichtweise und damit zur Zurücknahme der Überempfindlichkeit. 

Saturn im 5.Haus „des mutigen Herzens“ erschwert eine unbefangene Suche nach Glück und Freude oder nach kreativem Ausdruck. Der Mensch meint, es nicht wert zu sein, Glück zu finden und zu genießen. Die Wiederkehr kann auch hier mehr Wirklichkeitsnähe und bessere Selbsterkenntnis bringen und damit mehr Lebensfreude. 

Das 6.Haus „der kritischen Analyse“ überbewertet das Detail und pflegt den Ordnungstrieb. Die Wiederkehr kann die Erkenntnis zur Folge haben, daß die Dinge fließen und man sich mit verändern muß, statt sich durch ständige Korrektur aufzureiben. 

In dieser Weise wird die Wiederkehr des Saturn auch in den folgenden Häusern beschrieben und mit Beispielen verdeutlicht. 

Indem das Buch die Rolle des Saturn bei der Selbstwerdung des Menschen in den verschiedenen Entwicklungsstadien nachzeichnet, weist es gleichzeitig den Weg, diesen Formgeber besser zu verstehen und als Erzieher zu akzeptieren. 

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