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von Brigitta Klose
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«Venus und Merkur», Buchbesprechung aus: "Hamburger Hefte" 1/98 |
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Bernd A. Mertz: Venus und Merkur, Chiron-Verlag, ISBN 3-925100-28-8 |
Bernd Mertz ist uns allen bekannt: als gern gesehener und gehörter Redner auf Tagungen, als Autor wichtiger Bücher, in denen er brilliant und gut verständlich auch schwierige Materie dem Leser nahebrachte. Er weilt nicht mehr unter uns, so ist das vorliegende Buch sein letztes, und man tut gut daran, sich sein Anliegen sorgfältig anzusehen. Es geht ihm um erneute Bewußtmachung alter Weisheiten. Er beklagt: Es besteht die Gefahr, daß bei der Jagd nach neuen Möglichkeiten alte und bewährte Deutungshinweise vergessen oder unbewußt verdrängt werden.
So wird heute nur noch wenig Aufmerksamkeit der Frage geschenkt, ob Venus und auch Merkur als Abend- oder als Morgenstern im Horoskop stehen. Wenn aber die Astrologie vom Schauen kommt, und daran gibt es wohl keinen Zweifel (siehe Rückläufigkeit), dann müssen die Unterschiede der Morgen- zu den Abendsternen berücksichtigt werden. Er erinnert daran, daß die ersten beobachteten Himmelsbilder von Sonne, Mond und Venus gebildet wurden. Acht Monate lang war die Venus beim sterbenden Mond am Morgen zu sehen = Morgenstern. Dann verschwand sie. Die Priesterastrologen beobachteten den Himmel weiter und entdeckten einen hellen Stern am Abend = Abendstern, und neben ihm ging der junge Mond auf. Heute kennen wir den Rhythmus der Venus: Sichtbarkeit als Morgenstern 245 Tage Erst später erkannte man, daß Morgen- und Abendstern zwei Erscheinungsformen ein und desselben Sternes waren. Man blieb aber bei der unterschiedlichen Interpretation. Der Morgenstern hatte mehr männlichen Charakter, stand für die Arbeit des Tages, aber auch für die Begleitung in den Tod, so wie er den sterbenden Mond ins Jenseits führte. Der Abendstern wurde als weiblich liebevoll gesehen, war zuständig für Tanz, Spiel und Musik, alles was man nach des Tages Arbeit tat. Er half dem Mond ins Leben zurück, schuf neues Leben. Diese Symbolik läßt sich an den verschiedenen Göttinnenpaaren erkennen, als Beispiel bei den Griechen Athene als Morgenstern und Aphrodite als Abendstern. Wir, die wir nur noch selten den Sternenhimmel betrachten, schauen in die Ephemeride und sehen: wenn die Venus der Sonne folgt, ist sie Morgenstern (Beispiel Venus in den Zwillingen und Sonne im Krebs). Wenn sie der Sonne vorausläuft, ist sie Abendstern (Beispiel Venus in der Waage und Sonne in der Jungfrau). Bernd Mertz erklärt nun den Lauf von Venus und Merkur, wie er sich von der Erde aus darbietet, und welche Figuren sich dadurch am Himmel bilden, geht dabei auf die Rückläufigkeit und ihre Bedeutung ein: Sitzenbleiber- oder Spätentwickler- Aspekt. Während die Konjunktionen von Venus und Sonne ein Pentagramm im Tierkreis bilden, formen die Konjunktionen von Merkur und Sonne ein Hexagramm, allerdings nicht so regelmäßig und harmonisch wie das Pentagramm der Venus. Es wurde auch in den Schatten gestellt von dem großen Hexagramm des Jupiter und des Saturn, die sich alle 10 Jahre in einer Konjunktion oder in einer Opposition treffen, was dann auch 2 große Dreiecke ergibt. Der nicht so gut sichtbare, wieselflinke Merkur wird nach der Ansicht von Mertz in seiner Deutung und Bedeutung im Horoskop weit unterschätzt. Als Morgenstern symbolisiert er Pragmatismus, die tatkräftige Bewältigung des Alltags mit Verstand, aber auch mit Fingerfertigkeit. Die Zwillinge sind sein Tierkreiszeichen, und sein Haus ist das dritte. Sein Verhältnis zu anderen Planeten ist eher neutral, er ist Diener der Sonne, bremst die Kräfte des Mars, führt den Expansionsdrang des Jupiter auf ein der Realität angepaßtes Maß zurück. Als Abendstern vertritt Merkur die Nachdenklichkeit, die Philosophie, die Vorsorge. Zwar ist er auch hier neugierig und sammelt Erfahrungen, liebt Freude, Feste, schöne Sprache und Schrift, aber nicht mit der Unrast des Morgensterns. Sein Zeichen ist die Jungfrau und sein Haus das sechste. Hier grenzt er an das 7. Haus, wo der Abendstern Venus seinen Sitz hat. In der Beziehung zu anderen Planeten unterscheidet er sich zum Morgenstern besonders in seinem Verhältnis zu Neptun. Während Merkur als Morgenstern kein Verständnis für Träumerei und Phantasien hat, steht Merkur als Abendstern den Träumen aufgeschlossen gegenüber. Er versteht Süchte und hat auch Zugang zu Süchtigen. Venus als Morgenstern ist nüchtern und realitätsbewußt. Sie will sich absichern, denn sie weiß, wie schnell Glück und die schönen Dinge des Lebens vergehen. Ihr Zeichen ist der Stier, Lebensfreude und -sicherung. Sie gehört in das 2. Haus. Mit den anderen Planeten bildet sie zumeist ein gutes Gespann, besonders Mars schätzt sie sehr. Schwieriger ist das Verhältnis zu den transsaturnischen Planeten. Als Abendstern symbolisiert Venus mehr die Muse, die Madonna und die himmlische Liebe. Ihr Zeichen ist die Waage und ihr Haus das siebte, das Du. Diese Venus ist nicht so handfest wie Venus als Morgenstern, sie ist weniger greifbar, aber sie ist dafür auch ein Symbol der tiefen Gerechtigkeit, die immer mit verbundenen Augen die Waage in der Hand hält, um möglichst gerecht zu urteilen, mit Liebe zu richten. Bei der Besprechung der Stellung in der Häusern verwundert, daß Mertz die Venus als Abendstern im 12. Haus als das große Glück bezeichnet, als das Wissen, daß das Neue bereits an die Tür klopft. Wir erinnern uns aber daran, daß Venus als Abendstern dem Mond ins neue Leben verhilft und damit Zeichen für Neues gebären ist. Die Beziehung zur Sonne ist distanziert, zum Mond dagegen sehr eng. Zum Neptun hat sie als Abendstern ein gutes Verhältnis, denn sie schätzt den Instinkt und die Feinfühligkeit des Neptun. Das Großartige an diesem Buch ist die Synthese zwischen Sternenlauf und Mythos, das Erinnern an die Weisheit der Symbolik und die Mahnung, die Zeichen am Himmel als Bildersprache zu lesen und zu verstehen. ***
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