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Von Brigitta Klose
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Liz Greene: 1998 Chrion Verlag, Mössingen Buchbesprechung aus: "Hamburger Hefte" 4/98 |
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Wie schon andere Bücher von Liz Greene ist auch dieses das Protokoll von Seminaren, die die Autorin zu dem Thema veranstaltete. Dagegen ist nichts einzuwenden, nur müßte m.E. solch eine Niederschrift überarbeitet werden, so daß die Fragen und Beiträge der Teilnehmer nicht den Gedankenfluß unterbrechen.
Frau Greene entwickelt - noch folgerichtig und ungestört - ihr Konzept der verschiedenen Abwehrmechanismen, die sich in jedem Menschen finden. Wenn aber die astrologischen Bezüge hergestellt werden, beginnt die Mitarbeit der Teilnehmer, und damit wird eine kontinuierliche Darstellung immer wieder unterbrochen, in andere Richtungen gelenkt, und für den Leser ergibt sich ein Kaleidoskop statt eines klaren Aufbaus. Man darf hier also kein Lehrbuch erwarten, in dem die Thesen der Autorin, übersichtlich geordnet, dargeboten werden. Dabei bleibt ihr großes Wissen und ihre Kompetenz in der psychologischen Durchleuchtung eines Horoskops unbestritten, auch daß man interessante neue Einsichten gewinnt und daß sie nach Querfragen bemüht ist, den roten Faden wieder aufzunehmen. Sie teilt nach Freud ein in - orale Abwehr: "Orale Abwehrmechanismen sind die große Schutzmauer des Menschen gegen die Schrecken und die Finsternis des Alleinseins." - anale Abwehr: "Anale Abwehrmechanismen haben mit Willenskraft und der Fähigkeit zu tun, etwas für sich zu behalten." - ödipale Abwehr: "..bei ödipalen Abwehrmechanismen geht es darum, alles zu einem Wettkampf zu machen, dessen Sieg den Selbstwert definiert." - Dissoziation als vierter Abwehrmechanismus, bei Freud nur indirekt erwähnt, bedeutet ein Mittel zur Bewahrung des seelischen Gleichgewichts. "Sie [die Dissoziation] besteht darin, das psychische Telefon abzuklemmen, so daß man es nicht mehr läuten hört." Kommt sie hier ins Detail, so stellt man fest, daß sie Altem, Bekanntem nur neue Namen gegeben hat. Sie sagt selbst: "Sie sehen jetzt vermutlich alle, daß manches, was in herkömmlichen Lehrbüchern als 'Persönlichkeitsmerkmal' beschrieben wird, in Wirklichkeit nichts anderes ist als der Abwehrmechanismus des entsprechenden Zeichens." S.47 "Ich halte es für besonders wichtig, das Wesen der Ängste jedes einzelnen Zeichens genau zu verstehen." Das ist sicher besonders für den beratenden Astrologen zu verinnerlichen, der in den wenigsten Fällen das gleiche Zeichen oder nur das gleiche Element selbst verkörpert und konfrontiert wird mit den Ängsten und der Abwehr von Zeichen, die ihm nicht aus eigener Erfahrung verständlich sind und die auch gegen ihn gerichtet sein können. "Eine Begegnung mit jemandem, der eine starke und zwanghafte Abwehr zeigt, kann sich anfühlen wie ein Schlag ins Gesicht." Denn jedes Horoskop enthält neben SO, AS und MO im bestimmenden Zeichen und Element auch weitere Planeten in anderen Elementen, die gelebt werden wollen. Das führt u.U. auch innerhalb der Persönlichkeit zu starken Spannungen. Anhand von Beispielhoroskopen bekannter Persönlichkeiten erläutert sie, wie es sich im einzelnen darstellen kann. Beim Papst Johannes Paul II. finden wir "SO und MO im Stier im 9. Haus - dem Haus des Schützen - , Saturn am AS in der Jungfrau und eine Jupiter/Neptun-Konjunktion im Widder. Hier sehen wir wieder den Konflikt zwischen Erde und Feuer und können beobachten, wie sich die erdhafte Abwehr gegen den inneren Feind richtet, der auf einen äußeren Feind projiziert wird." Der Papst identifiziert sich mit der Religion (9.Haus, Schütze) und bekämpft den Materialismus, doch wie er das macht, ist unverkennbar erdhaft mit dem Festhalten und Bewahren der alten Ordnung und der Angst vor Chaos und Neuerung. Einen großen Abschnitt widmet sie Saturn und Chiron. "Saturn und Chiron sind, psychologisch gesehen, die kompliziertesten unter den Planetengöttern, und der Umgang mit ihnen ist schwieriger als mit allen anderen, vor allem deshalb, weil sie Seiten unserer Persönlichkeit darstellen, die wir allgemein nicht mögen oder deren wir uns schämen." S.171 Sie bezeichnet es als naiv, Chiron nur als den "verletzten Heiler" zu sehen und zu vergessen, daß hier "verletzt" bedeutet, daß die Wunde bleibend ist und nur der Tod letztendlich davon erlöst, daß mit Chiron auch Wut einhergeht, Wut auf die Ungerechtigkeit dieser Welt, die Unschuldige verwundet und ihnen unendliche Schmerzen zufügt. Wer immer schon einmal an einem Seminar von Liz Greene teilnehmen wollte, es aber bisher - aus welchen Gründen auch immer - nicht schaffte, für den ist dieses Buch eine Gelegenheit, ihre Arbeitsweise kennenzulernen. ***
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